Schnapsenwelt › Regeln › Zudrehen
Zudrehen beim Schnapsen
Zudrehen heißt: den Talon sperren und behaupten, mit den fünf Karten in der Hand allein auf 66 Augen zu kommen. Die offene Trumpfkarte wird umgedreht und auf den Stapel gelegt, es wird nicht mehr nachgezogen, und ab diesem Moment gilt Farb- und Stichzwang. Es ist die einzige Entscheidung im Schnapsen, die ein ganzes Spiel in einem Zug gewinnen oder verlieren kann – und die einzige, die man wirklich ausrechnen kann.
Wann darf man zudrehen?
Vier Bedingungen müssen zusammenkommen:
- Du bist am Ausspielen – der zweite Spieler im Stich kann nicht zudrehen.
- Beide haben nachgezogen und halten fünf Karten. Zugedreht wird also nie mitten in einem Stich.
- Der Talon ist noch offen, es liegt mindestens eine verdeckte Karte darauf.
- Es wurde noch nicht zugedreht – zweimal geht nicht.
Nach den österreichischen Standardregeln darf auch die Vorhand schon vor dem ersten Stich zudrehen. Nur im scharfen Schnapsen, wie es bei Turnieren gespielt wird, ist das Zudrehen eingeschränkt: dort erst, wenn man selbst schon einen Stich gemacht hat, und nicht mehr, wenn nur noch zwei Karten im Talon liegen.
Was das Zudrehen bringt – und was es kostet
Der wichtigste Punkt, den viele Anfänger falsch behalten: gewertet wird nach dem Stand des Gegners im Moment des Zudrehens, nicht nach dem Ergebnis am Ende. Wer zudreht, während der Gegner noch bei null steht, spielt um drei Punkte – und riskiert genauso drei.
| Stand des Gegners beim Zudrehen | Zudrehen gelingt | Zudrehen misslingt |
|---|---|---|
| kein Stich | 3 Punkte für dich | 3 Punkte für den Gegner |
| ein Stich, unter 33 Augen | 2 Punkte für dich | 2 Punkte für den Gegner |
| 33 Augen oder mehr | 1 Punkt für dich | 2 Punkte für den Gegner |
Daraus folgt eine Faustregel, die man sich merken kann: gegen einen Gegner ohne Stich ist Zudrehen ein Einsatz auf Sieg oder Niederlage im Verhältnis 3 zu 3, gegen einen Gegner mit 33 Augen dagegen 1 zu 2 – dort muss die Hand also deutlich sicherer sein, damit sich das Risiko lohnt.
Der Zudrehen-Rechner
Ob ein Zudrehen aufgeht, ist keine Geschmacksfrage. Nach dem Zudrehen wird nicht mehr gezogen, beide halten fünf bekannte oder erschließbare Karten – die Lage ist also vollständig lösbar. Der Rechner unten baut eine echte Spielsituation, zählt alle Gegnerhände auf, die nach dem offenen Spielverlauf überhaupt noch möglich sind, und spielt jede einzelne bis zum Ende durch. Was er ausgibt, ist keine Schätzung, sondern die Trefferquote.
Zudrehen oder nicht?
Eine echte Lage aus dem Spiel. Schau dir die Hand an, entscheide dich – und lass dann nachrechnen.
Wann sich Zudrehen lohnt
Drei Muster, die in der Praxis fast immer tragen:
- Die gezählte Hand. Du hast Trumpf-Ass und Trumpf-Zehner und fehlst nur noch wenige Augen: zwei sichere Stiche plus das, was du schon hast, reichen. Rechne nicht mit Stichen, die vom Wohlverhalten des Gegners abhängen.
- Der Vierziger auf der Hand. Ein angesagter Vierziger bringt 40 Augen auf einen Schlag – mit ihm reicht oft ein einziger weiterer Stich. Denk daran, dass die Ansage einen Stich braucht, um zu zählen.
- Der Talon mit zwei Karten. Wer die letzte verdeckte Karte zieht, überlässt dem Gegner die offene Trumpfkarte. Ist die stark, dreht man lieber zu, statt sie zu verschenken.
Und der häufigste Fehler: Zudrehen aus Ungeduld bei 50 Augen und einer Hand ohne Trumpf. Fünf Karten sind fünf Stiche im besten Fall – wenn der Gegner drei davon sticht, fehlen dir nicht ein paar Augen, sondern die Hälfte.
Häufige Fragen
Wann darf man beim Schnapsen zudrehen?
Zudrehen darf nur, wer am Ausspielen ist, und erst nachdem beide Spieler nachgezogen haben – also mit fünf Karten in der Hand. Der Talon muss noch offen sein. Nach dem Standardregelwerk ist das auch vor dem ersten Stich erlaubt.
Wie viele Punkte bringt ein gelungenes Zudrehen?
Gewertet wird nach dem Stand des Gegners im Moment des Zudrehens: 3 Punkte, wenn er noch keinen Stich hatte, 2 Punkte bei weniger als 33 Augen, sonst 1 Punkt.
Was passiert, wenn das Zudrehen misslingt?
Der Gegner erhält 2 Punkte – oder 3, wenn er im Moment des Zudrehens noch keinen Stich hatte. Der letzte Stich bringt nach einem Zudrehen keinen Punkt mehr.
Darf man nach dem Zudrehen noch ansagen?
Beim Schnapsen ja: Zwanziger und Vierziger dürfen auch nach dem Zudrehen und nach dem Aufbrauchen des Talons angesagt werden. Beim deutschen Sechsundsechzig ist das anders.
Weiter in den Regeln
- AnsagenWas 20 und 40 wirklich wert sind – und warum eine Ansage verfallen kann.
- BummerlVon sieben herunter – und ein Zähler, den du am Tisch mit echten Karten benutzen kannst.
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- Trumpf tauschenVier Bedingungen, ein Handgriff – und fast immer ein Gewinn.
- Unterschied zu 66Dieselbe Familie, sieben verschiedene Regeln.
- Alle Schnapsen-RegelnDie vollständige Regelseite von den Kartenwerten bis zum Bummerl.
- Schnapsen-AkademieNeun Lektionen mit Übungen, die aus echten Karten gebaut werden.
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